Evonik-Aktie unter Druck: Berenberg stuft auf „Verkaufen“ herab und warnt vor China-Konkurrenz
Egbert PeukertEvonik-Aktie unter Druck: Berenberg stuft auf „Verkaufen“ herab und warnt vor China-Konkurrenz
Die Aktie von Evonik gerät erneut unter Druck, nachdem die Privatbank Berenberg das Papier am 7. Januar auf "Verkaufen" herabgestuft hat. Die Entscheidung spiegelt wachsende Bedenken hinsichtlich des Geschäftsmodells des Konzerns und den zunehmenden Wettbewerb aus China wider. Analysten warnen nun, dass entschlossenes Handeln nötig sein könnte, um die sich verschärfenden strukturellen Herausforderungen zu bewältigen.
Die Sparte für Methionin, ein zentraler Gewinnträger des Chemiekonzerns, steht unter Druck, da chinesische Überkapazitäten den globalen Markt umkrempeln. Während Evoniks Aktie nahe einem 52-Wochen-Tief notiert, gehen die Einschätzungen großer Banken über die Zukunftsaussichten des Unternehmens weit auseinander.
Berenbergs Herabstufung ging mit einer drastischen Kürzung des Kursziels einher – von 14,60 Euro auf 11,60 Euro. Das KI-gestützte Analysewerkzeug der Bank identifizierte in sieben von zehn Schlüsselindikatoren negative Preissignale, was auf eine wahrscheinliche Rücknahme der deutlichen Preiserhöhungen aus den Jahren 2021 und 2022 hindeutet. Gleichzeitig wirft das hohe KGV von über 63 Fragen auf, ob die Bewertung des Unternehmens noch gerechtfertigt ist.
Evoniks Methionin-Geschäft, das im vergangenen Jahr schätzungsweise 300 Millionen Euro zum EBITDA beisteuerte, sieht sich nun massivem Gegenwind ausgesetzt. Chinas rasante Produktionsausweitung droht den Markt zu überfluten – bis Anfang der 2030er Jahre könnte das geplante Angebot die lokale Nachfrage um das 2,5-Fache übersteigen. Diese Überkapazitäten könnten die Profitabilität Evoniks in einem seiner lukrativsten Segmente aushöhlen.
Analysten fordern nun entschlossene Gegenmaßnahmen der Unternehmensführung, wobei einige sogar eine Zerschlagung des Konzerns vorschlagen, um Aktionärswert freizusetzen. Auch Berenbergs Prognosen für 2026 und 2027 zeichnen ein düsteres Bild: Das EBITDA könnte 2027 mit nur 1,77 Milliarden Euro ganze 10 Prozent unter den Markterwartungen liegen.
Doch nicht alle Banken teilen Berenbergs pessimistische Sicht. Während die Deutsche Bank und Barclays bei "Halten" bleiben, stuft Morgan Stanley Evonik seit dem 5. Januar mit "Market Weight" höher ein. Goldman Sachs und Kepler Cheuvreux liegen mit ihren Einschätzungen dazwischen – von "Reduzieren"-Warnungen bis zu leicht optimistischeren "Halten"-Empfehlungen mit höheren Kurszielen.
Die gespaltene Marktmeinung unterstreicht die Unsicherheit über Evoniks weiteren Weg. Angesichts der verschärften Konkurrenz aus China und schwächerer Gewinnprognosen werden die nächsten Schritte des Unternehmens genau beobachtet. Investoren stehen derzeit vor einer klaren Entscheidung: Sie müssen sich zwischen Berenbergs bärischer Einschätzung und den zurückhaltenderen – oder leicht optimistischeren – Perspektiven anderer Großbanken positionieren.