Islamischer Unterricht stärkt Demokratie – doch Tausende Schüler bleiben außen vor
Klaus-Michael JopichIslamischer Unterricht stärkt Demokratie – doch Tausende Schüler bleiben außen vor
Ein neuer Bericht unterstreicht die positiven Auswirkungen des islamischen Religionsunterrichts (IRU) in Nordrhein-Westfalen. Die Studie zeigt, dass Schülerinnen und Schüler, die am IRU teilnehmen, stärkere demokratische Werte entwickeln und sich besser gegen rückschrittliche Einflüsse aus sozialen Medien behaupten können. Derzeit hat jedoch nur ein Bruchteil der berechtigten Kinder und Jugendlichen Zugang zu dem Programm.
Die Ergebnisse werden bekannt, während die Forderungen nach einer Ausweitung des IRU in ganz Deutschland lauter werden. Bisher bleibt die Teilnahme jedoch ungleich verteilt – vor allem wegen Personal- und Organisationsproblemen.
In Nordrhein-Westfalen erhalten etwa 32.000 Schülerinnen und Schüler islamischen Religionsunterricht, doch das Angebot gibt es nur an 247 der rund 5.400 Schulen des Landes. Trotz der begrenzten Reichweite beschreiben die meisten befragten Jugendlichen den Unterricht als relevant, motivierend und zufriedenstellend. Die Studie stellt zudem fest, dass eine längere Teilnahme am IRU die religiöse Bildung fördert und die Anfälligkeit für polarisierende oder falsche Online-Inhalte verringert.
Gleichzeitig warnt der Bericht, dass ein hoher Konsum bestimmter religiöser Inhalte auf Plattformen wie TikTok oft rückschrittliche Überzeugungen verstärkt. Der strukturierte Ansatz des IRU hingegen fördert ein aufgeklärtes Islamverständnis und hilft den Schülerinnen und Schülern, digitale Inhalte kritisch zu bewerten. Einige Befragte äußern jedoch Zweifel, ob die muslimischen Verbände, die das Programm mitverwalten, die vielfältigen Perspektiven innerhalb des Islams ausreichend repräsentieren.
Bundesweit nehmen im Schuljahr 2024/25 mindestens 81.000 muslimische Schülerinnen und Schüler am islamischen Religionsunterricht teil – vor allem in Bundesländern wie Bayern, Berlin und Hessen. Doch kein Land bietet ein flächendeckendes Angebot: Engpässe bei Lehrkräften und organisatorische Hürden bremsen die Ausweitung. So erreicht etwa das Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz nur 31 Schulen.
Bildungsministerin Dorothee Feller sieht in den Ergebnissen einen Beleg für den Wert des IRU. Der Bericht plädiert für eine breitere Umsetzung und betont den Bedarf an mehr Lehrpersonal, modernen Lehrplänen und besserer organisatorischer Unterstützung.
Die Studie bestätigt, dass der islamische Religionsunterricht demokratische Haltungen stärkt und schädlichen Online-Einflüssen entgegenwirkt. Eine Ausweitung des Programms würde jedoch erfordern, den Lehrkräftemangel zu beheben und die Qualität an allen Schulen gleichbleibend hoch zu halten. Ohne einen Ausbau könnten Zehntausende Schülerinnen und Schüler weiterhin von diesen Vorteilen ausgeschlossen bleiben.