12 February 2026, 18:45

Wasserversorgung in Gefahr: Warum Deutschland jetzt um seine kritische Infrastruktur bangt

Eine Brücke mit einem "Vorsicht temporäre Wasserleitung"-Schild, Geländern und einem Hintergrund mit Bäumen, Gebäuden, einer Wasserrutsche und einem bewölkten Himmel.

Wasserversorgung in Gefahr: Warum Deutschland jetzt um seine kritische Infrastruktur bangt

Deutschlands Wasserversorgung und Abwassersysteme stehen vor wachsenden Risiken durch Sabotage, Cyberangriffe und Extremwetter

Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht ist, das Land sei auf solche Krisen nur unzureichend vorbereitet. Angesichts der zunehmenden Bedrohungen fordern Experten und Politiker nun stärkere Schutzmaßnahmen.

Das Thema steht im Mittelpunkt des bevorstehenden Kongresses Security Under Control in Duisburg, wo Lösungen zur Sicherung kritischer Infrastrukturen diskutiert werden. Branchenvertreter warnen: Ohne gezielte Maßnahmen könnten Schwachstellen zu schweren Störungen bei der Versorgung mit essenziellen Dienstleistungen führen.

Die öffentliche Sorge um die Wassersicherheit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Hochkarätige Cybervorfälle wie die Angriffe auf Versorgungsunternehmen in den Jahren 2023 und 2024 haben die Verwundbarkeit der Systeme offenbart. Geopolitische Spannungen haben die Unsicherheit weiter verstärkt – aus einer eher geringen Wahrnehmung der Risiken ist mittlerweil weitverbreitete Alarmbereitschaft geworden.

Die Behörden haben mit verschärften Maßnahmen reagiert: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) führte 2022 die KRITIS-Richtlinien ein, während der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) ihre Cybersicherheitsstandards 2024 aktualisierten. Seit 2023 sind verpflichtende Resilienzprüfungen nach dem IT-Sicherheitsgesetz in Kraft. Eine von der EU finanzierte Cyberabwehraktion, die für 2025 geplant ist, soll die Reaktionsfähigkeit der Bundesländer und Betreiber testen.

Die YouGov-Umfrage unterstreicht die tiefgreifenden Ängste: 67 Prozent der Befragten fürchten physische Sabotageakte, 66 Prozent sorgen sich vor Cyberangriffen auf die Wasserinfrastruktur. Nur drei Prozent glauben, Deutschland sei auf eine Versorgungskrise gut vorbereitet. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, betont, dass die Wassersicherheit nun als Frage der nationalen Sicherheit behandelt werden müsse.

Auf dem Security Under Control-Kongress am 17. und 18. März werden Experten die zentralen Herausforderungen angehen. Themen sind unter anderem die Gefahrenerkennung in operativen Technologieumgebungen (OT), sichere Netzwerkarchitekturen sowie die Einhaltung neuer Vorschriften wie NIS-2 und dem Cyber Resilience Act. Wolfgang Merkel vom DVGW plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz: den Ausbau physischer Schutzmaßnahmen, die Stärkung der Cyberresilienz und die Anpassung an Klimarisiken.

Philipp Eisenmann, Ausstellungsleiter der IFAT München, hebt die Notwendigkeit praktischer Lösungen hervor. Die Fachmesse wird Technologien und Best Practices präsentieren, um Wassersysteme sicherer und zukunftsfähig zu gestalten. Die Veranstalter wollen aus der wachsenden Besorgnis konkrete Handlungspläne ableiten.

Der anstehende Kongress in Duisburg wird Strategien vorstellen, um Deutschlands Wasserinfrastruktur vor sich wandelnden Bedrohungen zu schützen. Angesichts des geringen öffentlichen Vertrauens und steigender Risiken stehen Behörden und Branchenvertreter unter Zugzwang.

Neue Regelungen, Cyberabwehrübungen und integrierte Sicherheitskonzepte sind bereits auf den Weg gebracht. Jetzt geht es darum, diese Maßnahmen wirksam umzusetzen – um die Versorgung mit lebenswichtigen Dienstleistungen zu sichern.