BP verkleinert Raffineriegeschäft und kämpft mit Ölpreisschock und Arbeitskonflikten
Martina SieringBP verkleinert Raffineriegeschäft und kämpft mit Ölpreisschock und Arbeitskonflikten
BP treibt angesichts stark steigender Ölpreise und neuerlicher Störungen in den globalen Lieferketten weitreichende Veränderungen voran. Das Unternehmen hat eine Welle von Verkäufen, Kostensenkungsmaßnahmen und den Abstoß einer Raffinerie in Deutschland angekündigt – alles während es gleichzeitig Arbeitskonflikte in einem wichtigen US-Werk bewältigen muss.
Unterdessen haben allgemeine Marktveränderungen die Bewertung von BP steigen lassen, obwohl die Spannungen in der Straße von Hormus die Rohölpreise auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel getrieben haben.
BP hat sich ein neues Ziel gesetzt: Bis 2027 sollen die strukturellen Kosten um 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar gesenkt werden. Mit dieser Maßnahme will das Unternehmen die Cashflow-Situation verbessern und die finanzielle Position stärken. Gleichzeitig plant der Konzern, bis 2027 Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu veräußern – mehr als die Hälfte davon ist bereits unter Dach und Fach.
Einer der größten Verkäufe betrifft die BP-Raffinerie in Gelsenkirchen. Die Anlage, die jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet, geht an die Klesch Group. Rund 1.800 Mitarbeiter werden an den neuen Eigentümer übergehen, und der Deal könnte BP von Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar entlasten. Seit der Ankündigung des Verkaufs im Januar 2026 ist der Marktwert von BP um etwa 8 % gestiegen – von 92 auf 99 Milliarden US-Dollar. Zwar spiegelt dieses Wachstum auch die allgemeine Erholung im Energiesektor wider (ExxonMobil legte 12 % zu, Shell 5 %), doch Analysten der HSBC haben die Einstufung von BP von "Reduzieren" auf "Halten" angehoben und den Raffinerieverkauf als entscheidenden Faktor genannt.
Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit Arbeitsunruhen in seiner Raffinerie in Whiting, Indiana. Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte wurden ausgesperrt, doch die Unternehmensführung betont, die Produktion werde nicht spürbar beeinträchtigt. Die Eskalation fällt mit dem Anstieg der Ölpreise zusammen, der auf schwere Blockaden in der Straße von Hormus zurückgeht. Fast 20 % der globalen Öllieferungen und Flüssiggastransporte sind zum Erliegen gekommen, was den Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel treibt.
In einer separaten Entwicklung hat die US-Regierung den Jones Act für 60 Tage ausgesetzt. Diese vorübergehende Maßnahme ermöglicht es ausländischen Schiffen, Waren zwischen US-Häfen zu transportieren, und soll so die angespannten Lieferketten inmitten der anhaltenden Störungen entlasten.
BPs Umstrukturierungsbemühungen erfolgen zu einer Zeit, in der der Energiesektor sowohl Chancen als auch Herausforderungen gegenübersteht. Der Verkauf der deutschen Raffinerie und die Kostensenkungsoffensive sollen die finanzielle Flexibilität erhöhen, während hohe Ölpreise und geopolitische Spannungen zusätzlichen Druck ausüben. Die nächsten Schritte des Konzerns hängen davon ab, wie schnell er die geplanten Veräußerungen abschließen und den Betrieb angesichts der anhaltenden Marktvolatilität stabilisieren kann.






