10 May 2026, 12:19

Grüne suchen neuen Weg: Wie junge Männer für Feminismus begeistern?

Plakat mit der Aufschrift "Geschlechterneutrale Toiletten" betont die Inklusivität in den Toiletteneinrichtungen.

Grüne suchen neuen Weg: Wie junge Männer für Feminismus begeistern?

Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, wirbt für einen neuen Ansatz, um junge Männer für feministische Ideen zu gewinnen. Seine jüngsten Bemühungen kommen zu einer Zeit, in der die Sorge über die Anziehungskraft der rechtsextremen AfD auf männliche Wähler wächst. Die Debatte hat auch innerhalb der Partei selbst eine erneute Diskussion über Männlichkeit entfacht.

Die Thematik gewann an Dringlichkeit, nachdem die Bundestagswahl 2021 eine deutliche geschlechtsspezifische Spaltung offenbart hatte: Junge Männer stimmten überdurchschnittlich oft für die rechtsextreme AfD, während junge Frauen eher links der Mitte stehende Parteien bevorzugten. Diese Kluft hat Forderungen nach einer neuen Strategie laut werden lassen, um männliche Wähler besser zu erreichen.

Banaszak unternahm seinen ersten prominenten Versuch, junge Männer anzusprechen, in einem Interview mit dem Playboy. Er argumentierte, dass starre Geschlechterrollen sowohl Männer als auch Frauen schadeten und dass Männer den Feminismus als bereichernd begreifen sollten. Seine Äußerungen folgten einem persönlichen Bekenntnis: Nach den Vorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen den Schauspieler Christian Ulmen wegen Körperverletzung sagte Banaszak, er schäme sich für die Rolle der Männer, die solche Gewalt erst ermöglichen.

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Der Frauenrat der Grünen auf Bundesebene steht Banaszaks „Männerpolitik“ jedoch skeptisch gegenüber. Einige Mitglieder hinterfragen, ob die Partei Männer überhaupt in den Fokus rücken sollte – angesichts ihrer langjährigen feministischen Ausrichtung. Vor 20 Jahren veröffentlichten die Grünen sogar ein Manifest mit dem Titel Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich, unterzeichnet von 21 männlichen Politikern.

Unterdessen nutzt der AfD-Politiker Maximilian Krah die Frustration junger Männer für sich aus. In einem weit verbreiteten Video riet er Männern ohne Dates, „nach rechts“ zu gehen, und präsentierte politischen Extremismus als Lösung für persönliche Probleme. Der Clip traf bei verunsicherten jungen Männern auf Resonanz und verschärfte die Polarisierung der Debatte weiter.

Banaszaks eigene Betonung traditionell als weiblich geltender Attribute – etwa die pinkfarbene Gestaltung seines Büros – hat Aufmerksamkeit erregt. Er verweist auf den Fußballtorwart Tim Wiese, der vor zwei Jahrzehnten ohne negative Reaktionen pinkfarbene Kleidung auf dem Platz trug, als Beweis dafür, dass Männlichkeit flexibel sein kann. Der grüne Europaabgeordnete Rasmus Andresen pflichtet ihm bei, betont aber, die Partei müsse ihren Tonfall ändern, um gemeinsame Schnittmengen mit jungen Männern zu finden.

Die Grünen stehen nun vor einer Herausforderung: Wie können sie die Anliegen junger Männer aufgreifen, ohne ihre feministische Kernklientel zu verprellen? Banaszaks Ansatz deutet auf einen Wandel hin, doch innerhalb der Partei gibt es weiterhin Widerstand. Das Ergebnis könnte entscheiden, ob es der progressiven Politik gelingt, eine Generation zurückzugewinnen, die zunehmend von der extremen Rechten angezogen wird.

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