Wut in Ratingen: Warum die neue Flüchtlingsunterkunft für Zündstoff sorgt
Klaus-Michael JopichWut in Ratingen: Warum die neue Flüchtlingsunterkunft für Zündstoff sorgt
Geplante Migrationseinrichtung in Ratingen stößt auf starken Widerstand der Anwohner
Die Stadt Ratingen hat die Wiedereröffnung einer Migrationseinrichtung erst zehn Tage vor einer Informationsveranstaltung bekannt gegeben – für viele Bürger kam die kurze Vorlaufzeit überraschend und sorgte für Verärgerung. Rund 100 besorgte Anwohner nahmen an der Veranstaltung teil, deutlich mehr als bei früheren Treffen dieser Art.
Die Einrichtung im Industriegebiet Ratingen-West soll 60 alleinstehende Männer im Alter von 20 bis 63 Jahren aufnehmen. Bei allen handelt es sich um anerkannte Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien und Afghanistan. Jeder Bewohner erhält ein eigenes Zimmer, was die Überlastung anderer, überbelegter Einrichtungen entlasten soll.
Das Viertel gilt bereits als sozialer Brennpunkt, da die hohe Migration die lokalen Dienstleistungen vor Herausforderungen stellt. Dennoch sind die Hälfte der Flüchtlinge erwerbstätig, weitere 30 Prozent nehmen an Integrationsprogrammen teil. Kritik entzündete sich daran, dass die Stadt nur Anwohner innerhalb eines Radius von 250 Metern direkt informierte. Die rechtspopulistische AfD rief die Bürger zur Teilnahme an der Informationsveranstaltung auf, während die Grünen in Ratingen möglicherweise ebenfalls durch die Sensibilisierung der Anwohner eine Rolle spielten.
Ziel der Wiedereröffnung ist es, anerkannten Flüchtlingen strukturierte Unterbringungsmöglichkeiten zu bieten. Doch die kurze Vorlaufzeit und die begrenzte Kommunikation haben den lokalen Widerstand weiter angeheizt. Trotz anhaltender Bedenken in der Bevölkerung soll die Einrichtung ihren Betrieb aufnehmen.